Neuer Spitex-Messanger für die interne Kommunikation

Spitex-Organisationen sollen enger zusammenarbeiten. Dies fordert Jim Wolanin, der neue Präsident des Spitex Kantonalverbands Luzern SKL. Er setzt auf neue Kommunikationsinstrumente: «Wir führen einen Spitex-Messanger für die interne Kommunikation ein. Künftig wollen wir auch mit einem Dokument-Sharing-Tool arbeiten». Ob diese Instrumente den gewünschten Erfolg bringen, weiss er nicht: «Es gar nicht zu probieren ist schlimmer, als einen Fehler zu machen.» Wer in der schnelllebigen Zeit mithalten wolle, müsse sich anpassen und Neues wagen.

Jim Wolanin, Präsident Spitex Kantonalverband Luzern

Was ist die ideale Grösse einer Spitex-Basisorganisation?
Auf diese Frage gibt es nur eine Antwort: Es kommt darauf an…

Worauf denn?
Wir sehen im Moment zwei grosse Entwicklungen: Da ist einerseits die Tendenz zum Kostensparen und andererseits die Tendenz der steigenden Anforderungen. In diesem Spannungsfeld operiert jede Spitex-Organisation. Sie muss entscheiden, mit welcher Form und in welcher Betriebsgrösse sie ihren jeweiligen Auftrag optimal erfüllen kann. Beispielsweise können sich grössere Einheiten eher eine professionellere IT leisten als kleinere. Professionellere IT bedeutet oft mehr Effizienz und damit kostengünstigere Abläufe. Kleinere Organisationen sind aber vielleicht näher bei den Klientinnen und Klienten und können so unter Umständen besser auf deren Bedürfnisse eingehen.

Erwarten Sie weitere Fusionen im Kanton Luzern?
Ja, davon gehen wir aus. Aber es braucht nicht immer gleich eine Fusion. In den letzten Jahren hat sich die Zusammenarbeit unter den Spitex-Organisationen markant verändert. Es wird enger zusammengearbeitet, Kompetenzzentren entstehen und kleinere Organisationen kaufen Leistungen bei grösseren ein. Doch es gibt noch Potenzial. Man kann und soll noch näher zusammenarbeiten.

Wo sehen Sie Potenzial für eine noch engere Zusammenarbeit?
Viele Vorgaben für Spitex-Organisationen kommen aus Bundesbern. Für die Umsetzung der Vorgaben muss nicht jede Organisation das Rad neu erfinden. Die Aufgabe als Kantonalverband sehe ich darin, Plattformen für einen Austausch zu schaffen, damit effizient eine gute Lösung erarbeitet werden kann.

Wie genau machen Sie das?
Wir haben vor einen Spitex-Messanger für die interne Kommunikation einzuführen. Aus Datenschutzgründen wird das nicht WhatsApp sein, sondern eher Threema. Alle Basisorganisationen sind eingeladen, freiwillig in der Messanger-Gruppe mitzumachen. Wer ein Anliegen hat oder eine Frage diskutieren will, kann sie einstellen. Alle können antworten sowie Wissen und Erfahrungen teilen. Ein zweites Vorhaben ist die Einführung eines Dokumenten-Sharing-Tools. Wir wollen die Möglichkeiten der modernen Kommunikation nutzen. Ein Ziel ist, den Austausch unter den Basisorganisationen zu stärken.

Es nicht zu probieren ist schlimmer, als einen Fehler zu machen.

Jim Wolanin

Wie kamen diese Ideen an?
Wir haben sie miteinander entwickelt. Ob sie funktionieren, wissen wir nicht. Aber wir wollen bewusst neue Dinge ausprobieren, auch mal einen Fehler machen und so weiterkommen. Es gar nicht zu probieren ist schlimmer, als einen Fehler zu machen.

Finden Sie genug Akzeptanz, wenn Sie diese Projekte auf freiwilliger Basis anbieten?
Der Spitex Kantonalverband Luzern ist ein Dienstleister für die Basisorganisationen – das ist unser Selbstverständnis. Wir regen einen engeren Dialog mit modernen Kommunikationsmitteln an, weil wir überzeugt sind, dass dies sinnvoll ist. Aber am Ende entscheiden die Basisorganisationen, ob sie diese Angebote nutzen wollen. Einige Basisorganisationen arbeiten schon heute mit solchen Kommunikationsmitteln. Für andere bedeutet das einen grossen Schritt. Doch die Zeit ändert sich, alles wird immer schneller. Wenn wir mithalten wollen, gibt es keinen anderen Weg.

Sie plädieren für eine engere Zusammenarbeit unter Basisorganisationen. Gehen wir einen Schritt weiter: Wie beurteilen Sie die interkantonale Zusammenarbeit?
Ich kann mir vorstellen, dass moderne Kommunikationsmittel auch interkantonal eingesetzt werden. Zu bedenken gebe ich: Wenn zu viele Personen mitmachen bei einem Gruppen-Messanger, kann es rasch unübersichtlich werden. Eine Lösung wäre vielleicht das Einrichten von Untergruppen. Es gibt durchaus Themen, bei denen ich mir einen rascheren Austausch innerhalb der Spitex-Community gewünscht hätte – beispielsweise bei MiGeL.

Die Anforderungen, die an einen Kantonalverband gestellt werden, sind grösser als die Möglichkeiten, die er hat.

Jim Wolanin

Eingangs haben wir die Idealgrösse einer Basisorganisation besprochen. Was ist denn die Idealgrösse eines Kantonalverbands?
Auch Kantonalverbände sind sehr heterogen, arbeiten aber untereinander gut zusammen. Der Spitex Kantonalverband Luzern ist Mitglied vom Zentralschweizer Spitex-Verband und vom Nordwestschweizer Spitex-Verband. An beiden Orten leisten wir unseren Beitrag und nehmen mit, was uns weiterbringt. Generell lässt sich festhalten: Die Anforderungen, die an einen Kantonalverband gestellt werden, sind grösser als die Möglichkeiten, die er hat.

Was heisst das konkret?
Ich hatte es vorhin schon angedeutet: Viele Entscheide fallen in Bern und haben direkten Einfluss auf die Gemeinden. Im Kanton Luzern finanzieren die Gemeinden die Restkosten. Entsprechend wirken sich Entscheide häufig auf die Basisorganisationen aus. Dazwischen stehen wir als Kantonalverband mit beschränkten Möglichkeiten.

Provozierend könnte man sagen: Kantonalverbände braucht es gar nicht…
Moment! Kantonalverbände braucht es u-n-b-e-d-i-n-g-t! Keine Kantonalverbände zu haben, ist für mich eine Horrorvision. Dann wäre jede Spitex-Basisorganisation völlig auf sich allein gestellt. Auch der politische Einfluss wäre viel geringer. Das Schweizer Gesundheitssystem ist föderalistisch aufgebaut. Jede Ebene – Gemeinde, Kanton, Bund – braucht ihre Ansprechpartner, die auf Augenhöhe mitdiskutieren und ihre Anliegen einbringen können. Es wäre fatal für die Spitex, wenn wir diese Möglichkeit nicht nutzen würden.

Was ist das Hauptziel, das Sie als Präsident erreichen wollen?
Wir sind gerade dabei, den Spitex Kantonalverband Luzern neu auszurichten. Die Ziele haben wir bereits formuliert (nimmt Unterlage zur Hand und liest): «Wir sind der erste Ansprechpartner zu allen Themen der Pflege und Betreuung zu Hause auf Kantonsebene.» Damit wir dieses Ziel erreichen, müssen wir noch geeinter auftreten. Unsere Spitex-Organisationen leisten unheimlich viel Tolles, setzen sich täglich für Klientinnen und Klienten ein und machen manchmal Unmögliches möglich. Das müssen wir besser ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken. |


Jim Wolanin ist seit März 2019 Präsident des Spitex Kantonalverbands Luzern. Davor war er acht Jahre lang Vorstandsmitglied. Der Spitex Kantonalverband Luzern vertritt die Interessen von 27 Spitex-Basisorganisationen, die insgesamt rund 1500 Mitarbeitende beschäftigen.

Jim Wolanin ist selbstständiger Unternehmensberater. In seiner Wohngemeinde Neuenkirch LU sitzt er als Sozialvorsteher im Gemeinderat. Er präsidiert die Kantonalkommission Pro Infirmis Luzern, Ob- und Nidwalden und die Regionalkonferenz Sozialvorsteher Wahlkreis Sursee. Zudem ist er Vorstandsmitglied der Planungsregion Alterspolitik, der FDP.Die Liberalen Kanton Luzern, und der FDP.Die Liberalen Neuenkirch. Schliesslich ist er Mitglied der kantonsrätlichen Gewerbekammer und sitzt im Beirat des Luzerner Sinfonieorchesters.

Jim Wolanin hat ursprünglich eine Lehre als Fachmann Radiologie HF absolviert und später verschiedene Weiterbildungen absolviert. Darunter einen MBA der Wirtschaftsuniversität Wien.


Martin Radtke schreibt Beiträge und Geschichten, die er gerne auf mehreren Plattform weitererzählt. Seit Anfang 2014 ist er selbstständiger Kommunikationsberater. Von 2009 bis 2015 war er Mitinhaber und Verwaltungsrat-Vizepräsident einer privaten Spitex-Organisation.

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